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Schauspielhaus Bochum
Chefdramaturg
Bochum seit 2018
Schauspielhaus Bochum AöR
Intendant: Johan Simons


Das Schauspielhaus Bochum besteht seit 1919 als Städtische Bühne der Stadt Bochum. Seit der Saison 2018/2019 ist der niederländische Theater- und Opernregisseur Johan Simons Intendant. Er prägt das Schauspielhaus Bochum als ein Repertoire- und Ensembletheater in seiner modernsten Form: Bildende Kunst, Theater und Tanz begegnen sich, genauso wie Politik, Pop-Musik und internationale Künstler*innen. Das neue Schauspielensemble weist kulturelle Einflüsse aus unterschiedlichen Ländern Europas und der Welt auf. Neben zeitgenössischen Interpretationen klassischer Stoffe prägen Uraufführungen und Stückentwicklungen den Spielplan. Im Keller des Theaters entsteht mit dem Oval Office ein neues Zentrum für Medienkunst, bei freiem Eintritt für das Publikum. Die Zeche Eins wird erstmals seit der Ära von Reinhild Hoffmann wieder als reguläre Spielstätte in Betrieb genommen. Produktionen des Schauspielhaus Bochum gastieren in anderen Theatern in Deutschland und Europa und werden zu internationalen Festivals eingeladen.

Am Schauspielhaus Bochum als Chefdramaturg Mitarbeit in der Theaterleitung sowie Produktionsdramaturgien und Entwicklung von Sonderformaten. Zusammenarbeit u. a. mit Herbert Fritsch (»Die Philosophie im Boudoir«), Karin Henkel (»Geschichten aus dem Wiener Wald«), Dušan David Pařízek (»Iphigenie«) und Johan Simons (»Penthesilea«). Neukonzeption von Diskurs- und Gesprächsformaten mit Sonia Seymour Mikich (»Ausreden – zuhören!«) und Norbert Lammert (»Ein Gast. Eine Stunde«).

Auszeichnungen:
Für die Arbeit an »Penthesilea« Nominierungen in der Kritiker*innen-Umfrage von »Theater heute« 2019 als Dramaturg des Jahres.
Das Schauspielhaus Bochum wird in der Kritker*innen-Umfrage der »Welt am Sonntag« 2019 nach 14 Jahren erstmals wieder zum Besten Theater in NRW gewählt.
Mit Johan Simons’ Inszenierung von »Hamlet« wird das Schauspielhaus Bochum nach 20 Jahren erstmals wieder zum Theatertreffen der Berliner Festspiele eingeladen (2020).

© Schauspielhaus Bochum

Geschichten aus dem Wiener Wald
von Ödön von Horváth
Regie: Karin Henkel
Bühne: Thilo Reuther
Kostüme: Nicole Timm
Musik: Lars Wittershagen
Lichtdesign: Bernd Felder
Dramaturgie: Vasco Boenisch
Mit: Thomas Anzenhofer, Mourad Baaiz, Marina Galic, Gina Haller, Martin Horn, Marius Huth, Karin Moog, Bernd Rademacher, Ulvi Teke/Konstantin Bühler
Premiere: 03.10.2019, Schauspielhaus


Iphigenie
nach »Iphigenie in Aulis« von Euripides und »Ein Sportstück« von Elfriede Jelinek
Regie: Dušan David Pařízek
Bühne: Dušan David Pařízek
Kostüme: Kamila Polívková
Dramaturgie: Vasco Boenisch
Mit: Svetlana Belesova, Jele Brückner, Konstantin Bühler, Bernd Rademacher, Anne Rietmeijer, Lukas von der Lühe
Premiere: 16.03.2018, Schauspielhaus


Die Philosophie im Boudoir
Uraufführung
nach Marquis de Sade 
Regie: Herbert Fritsch
Bühne: Herbert Fritsch
Kostüme: Victoria Behr
Musik: Otto Beatus
Lichtdesign: Bernd Felder
Dramaturgie: Vasco Boenisch
Mit: Otto Beatus, Svetlana Belesova, Jele Brückner, Anna Drexler, Julia Myllykangas, Anne Rietmeijer, Ulvi Teke, Jing Xiang
Premiere: 22.12.2018, Schauspielhaus


Penthesilea
von Heinrich von Kleist
in einer Textfassung von Vasco Boenisch
Regie: Johan Simons
Bühne: Johannes Schütz
Kostüme: Nina von Mechow
Lichtdesign: Bernd Felder
Sounddesign: Annemarie Schagerl
Dramaturgie: Vasco Boenisch
Mit: Jens Harzer, Sandra Hüller
Koproduktion mit den Salzburger Festspielen
Salzburg-Premiere: 29.07.2018, Landestheater
Bochum-Premiere: 10.11.2018, Schauspielhaus

Nominierungen Dramaturg des Jahres 2019 (Kritker*innen-Umfrage von »Theater heute«)


Johan Simons gelingt mit Kleists »Penthesilea« ein großer Wurf. (…) Was man vorher nicht recht glauben wollte, gelingt diesem Abend und vor allem seinem Dramaturgen Vasco Boenisch auf vorzügliche Weise: die Reduktion des Kleist’schen Textes auf das pure, schmucklose Unglück des Liebesdramas.

Simon Strauß über »Penthesilea« (FAZ)

Johan Simons hat in seiner Neuinszenierung die im Wortsinn »verzehrende« Leidenschaft zwischen Penthesilea und Achill in einem ebenso modernen wie zeitlosen Zwei-Personenstück auf die Bühne gebracht. (…) Kleists Text wird dabei wie mit entkleidet, in Vasco Boenischs kluger Fassung, die der Sprache einen Körper gibt. Love-Talk aus dem 18. Jahrhundert, nur knapp verhüllte Leidenschaft. Ja, hier wird mit Worten auch Liebe gemacht. (…) Klarheit ist ein schönes Ergebnis dieser Inszenierung: Was in Kleists Text umständlich zerredet wird, als Botschaft überbracht oder als Erzählung Dritter interpretiert wird, gewinnt unglaubliche Präsenz. Und etwas fast Zeitgenössisches: Sandra Hüller und Jens Harzer sind ein Paar im Testlauf einer Beziehung, die ungefähr so kompliziert ist wie die unter gleichberechtigten Partnern im 21. Jahrhundert.

Karin Fischer über »Penthesilea« (Deutschlandfunk)

Vasco Boenisch und Johan Simons reduzieren Kleists Text auf die beiden Protagonisten. Es gibt also keine griechischen Heerführer, keine weiteren Amazonen, keine Oberpriesterin und erst recht kein Kriegsvolk. Es gibt auch kein Dekor, nur einen schwarzen Raum von Johannes Schütz, dessen Bodenplatte auf der Vorderbühne eine weiße Lichtfläche bedeckt, von der man zunächst nur einen schmalen Spalt sieht, der in den zwei Stunden der Aufführung erst größer, dann wieder kleiner wird. Und in diesem Raum gibt es nur Achill und Penthesilea, gespielt von Jens Harzer und Sandra Hüller. Damit ist der Raum voll. (…) Das Ereignis dieser Aufführung ist der Text und Simons‘ Umgang damit. Vasco Boenisch hat ein intellektuelles Vexierspiel erdacht, das überhaupt nicht intellektuell wirkt

Egbet Tholl über »Penthesilea« (Süddeutsche Zeitung)

Erstaunlich, wie gut das Text-Einkochen, die Reduktion auf zwei Personen funktioniert. Erfreulich, wie viel Text (und nur Originaltext) stehen bleibt. Und geradezu verblüffend, wie differenziert und analytisch Kleists Blick auf dieses Paar ausfällt. In dem Stück in Vollform verstellt das viele Schlachtenbrimborium eben diese Lebensnähe.

Reinhard Kriechbaum über »Penthesilea« (nachtkritik.de)

Das Unerhörte wird von Johan Simons (Regie) und Vasco Boenisch (Fassung) zu einer auf zwei Stunden Spieldauer verknappten, fesselnd konzentrierten Unterhaltung zwischen Mann und Frau. Ein existenzielles Ringen um Wort und Gefühl, Liebe, Hiebe, Küsse, Bisse, so beiläufig wie spannend serviert von Sandra Hüller und Jens Harzer.

Manuel Brug über »Penthesilea« (Die Welt)