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Anke hat Zeit
Redaktionsleitung
Köln 2013 – 2015
Auftraggeber: Westdeutscher Rundfunk
Redaktionsleitung: Vasco Boenisch, Susanne Schettler


In »Anke hat Zeit« präsentierte Anke Engelke in loser Folge Künstler, Querdenker und Talente, die man sonst nie oder zu selten im Fernsehen sieht. Gequatscht, gelesen und musiziert wurde immer 90 Minuten lang, absolut subjektiv und mit ansteckender Leidenschaft, im Wohnzimmer-Ambiente des Kölner Stadtgarten. Engelke: »Es war ein Glück, diese Sendung zweieinhalb Jahre machen zu können. Ich musste nie in Routine verfallen, nie in TV-Strickmustern denken, sondern durfte immer wach, flexibel und persönlich bleiben.«

Die Show begeisterte für Kultur und Kulturschaffende mit Klugem, Abseitigem, Inspirierendem, mit Intellekt und Quatsch. Die redaktionelle Planung in enger Zusammenarbeit mit Anke Engelke erfolgte nach rein persönlichen Interessen und Neugierde und präsentierte so eine handverlesene Auswahl unbekannter ebenso wie international gefragter Künstler*innen und Denker*innen – von Julian Assange bis Sol Gabetta, von Tino Sehgal bis Róisín Murphy. Livemusik, Kunstaktionen, Lesungen sowie eine Comic-Kolumne von Hauck & Bauer wechselten mit Gesprächen.

Auszeichnung: Deutsche Akademie für Fernsehen 2014 (Beste Fernsehunterhaltung)

© WDR

Anke hat Zeit
Kulturshow mit Anke Engelke
15 Folgen (13 Neuproduktionen, 2 Best of)
Folge 1: Katja Brunner, Markus Gabriel, Sophie Hunger, Lianne La Havas, Nils Mönkemeyer, Caroline Peters, Michael Schiefel, Helge Schneider
Folge 2: Das Helmi, Sidsel Endresen, Sol Gabetta, Fabian Hinrichs, Aino Laberenz, Tanita Tikaram, Moritz von Uslar
Folge 3: 44flavours, Jasna Fritzi Bauer, Buika, Annette Dasch, Mechthild Großmann, Leander Haußmann, Francesco Tristano
Folge 4: Hayden Chisholm, Maria Gadú, Robert Gwisdek, Daniel Josefsohn, Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi, Birgit Minichmayr, Feridun Zaimoglu
Folge 5: Lina Beckmann, Oliver Bienkowski, Wallis Bird, Julia Fischer, Charly Hübner, Matthias Schriefl
Folge 6: Julian Assange, Dobet Gnahoré, Stefan Kaminski, Bjarne Mädel, Sarah Neufeld, Angela Richter, Tino Sehgal, Barbara Vinken
Folge 7: Best of
Folge 8: Clueso, Joan As Police Woman, Kasper König, Dorothee Oberlinger, Rocko Schamoni, Harald Schmidt
Folge 9: Han Bennink, Norbert Bisky, Uri Caine, Annette Frier, Patricia Kopatchinskaja, Harald Welzer, Barbara Yelin, ZAZ
Folge 10: Klebebande, Dirk Laucke, Alice Sara Ott, PeterLicht, Tilo Prückner, Kate Tempest, Francesco Tristano
Folge 11: Ngoni Ba & Bassekou Kouyaté, Sophie Hunger, Denis Moschitto, Sebastian Schipper, Johan Simons, Klaus Florian Vogt, Dirk Vollenbroich
Folge 12: Shermin Langhoff, Róisín Murphy, Katja Riemann, Franz Rogowski, Sarah Willis, Cosima von Bonin
Folge 13: Best of
Folge 14: Christophe Chassol, Nezaket Ekici, Matthias Matschke, Fazil Say, Laura Tonke, WestBam
Folge 15: Jan Böhmerman, Herbert Grönemeyer, Hauck & Bauer, Hauschka, Polina Semionowa, Britta Thie
Comics: Hauck & Bauer
Redaktion (1–9), Autor (10–15): Vasco Boenisch
Regie: Thomas Menke
Produktion: WDR, Initiative Kölner Jazz Haus e. V.
Erstausstrahlungen: 27.07.2013 (1), 28.09.2013 (2), 16.11.2013 (3), 25.02.2014 (4), 06.05.2014 (5), 15.07.2014 (6), 26.08.2014 (7), 04.10.2014 (8), 15.11.2014 (9), 07.03.2015 (10), 02.05.2015 (11), 04.07.2015 (12), 15.08.2015 (13), 26.09.2015 (14), 14.11.2015 (15)
WDR Fernsehen

Haben wir nicht immer ein Fernsehen gefordert, dass sich einen Dreck um langweilige Konventionen, hübsch polierte Oberflächen und eine zielgruppenaffine Dramaturgie kümmert? Bitte schön, da ist es.

Marcus Bäcker (Berliner Zeitung)

»Anke hat Zeit« kümmert sich um jene Spielarten von Kultur, die anderswo als elitär betrachtet werden; schon irgendwie Pop (im Sinne von populär), aber eben nicht Mainstream.

Tilmann P. Gangloss (Frankfurter Rundschau)

»Anke hat Zeit« ist voll von glücklichen, schönen Fernsehmomenten. (…) Wo andere Moderatoren ihren Gästen Buchdeckellobpreisungen um den Bart schmieren, da gibt es von Engelke harte, aber auch wirklich herzliche Liebkosungen. Wo in anderen Talks Schlagabtäusche nur inszeniert sind, da gibt es in der WDR-Sendung echte Kollisionen.

Christian Buß (Spiegel Online)

Eine Kulturwundertüte voller Überraschungen.

Tilmann P. Gangloff (Frankfurter Rundschau)

»Anke hat Zeit« ist abwechselnd erratisch, verstörend, irrsinnig peinlich, ganz und gar großartig, inspirierend, lustig, nervig, kulturbeflissen, kleinkunstbeseelt, intellektuell, banal, in die Tiefe gehend, gut albern. Und manchmal sogar vieles davon auf einmal.

Marcus Bäcker (Berliner Zeitung)

Die flirrende Sternschnuppe im Nachtprogramm des WDR.

Gregor Dolak (Focus)

Das Schöne an der Show ist Engelkes Talent, Fragen zu stellen, die ihr von keiner Redaktion aufgeschrieben worden sind; deshalb braucht sie auch keine Moderationskärtchen. Weil sie ihre Gäste kennt, ist sie nicht auf das Wikipedia-Wissen angewiesen, mit dem man sich anderswo behilft. Und da sie sich nicht an eine vorher festgelegte Gesprächsdramaturgie klammert, gab es nicht nur ungewöhnliche Fragen, sondern auch unerwartete Antworten.

Tilmann P. Gangloff (Frankfurter Rundschau)

Eine der letzten Inseln im Fernsehen, auf der die Gäste sicher sein können, dass man sich mehr für sie als für ihr Produkt interessiert.

Antje Hildebrandt (Stuttgarter Zeitung)

An ein paar Abenden im Jahr, unterhält »Anke hat Zeit«, mit allem, was Kultur ausmacht. Die WDR-Sendung kennt keine SiegerInnen des Abends und keinen spürbaren Egoismus der Moderations-Unterhalterin, ihren Marktwert weiter zu steigern. Sie vermittelt dafür aber soziale Haltung und prinzipiell offene, kulturelle Botschaften. Selbst ermüdet und ermattet, kann der gemeine TV- oder Mediathekengast da folgen und wird nicht, wie mittlerweile bei den Anstalten durchaus üblich, wie ein Kleinkind vor dem Bubu machen behandelt.

Christoph Leusch (der Freitag)

Engelke verwickelt ihre Gäste in Gespräche, wie sie diese auch führen würde, wenn die Kamera ausgeschaltet wäre: gnadenlos subjektiv, daraus macht sie kein Hehl.

Antje Hildebrandt (Stuttgarter Zeitung)

Engelke parliert mit einer Talkshowrunde aus völlig Unbekannten außerhalb des Talking-Head-Zirkusses über Mode, Musik, Politik, Moralfragen. (…) Wir wünschen uns, dass sich die Anke noch oft die Zeit nehmen darf für diese krude, komische, schlaue, abwechslungsreiche, ungewöhnliche, hyperaktive Show, in der tatsächlich auch mal Momente entstehen, in denen die Gäste nicht mehr weiterwissen. Und die Engelke dann die Schnute spitzt und sagt: »Aha.«

Gregor Dolak (Focus)

Diese Talkshow fällt aus dem Rahmen, denn sie lebt von der Spontanität der Gastgeberin. Davon, dass sie es genießt, zu improvisieren. Hier ein Lied trällern, wenn sich Helge Schneider ans Piano schwingt. Dort mal schnell eine Szene aus dem Bühnenstück einer Nachwuchs-Dramatikerin nachspielen – so hat sie es in früheren Sendungen gemacht, wie es eben nur die Engelke macht, charmant, aber zu eigensinnig, um zu fan-girlen. Als Moderatorin hat sie eine Haltung. Und sie lässt den Gesprächen Raum, sich zu entwickeln. Just das ist es ja, woran der öffentlich-rechtliche Talkshow-Zirkus sonst krankt.

Antje Hildebrandt (Stuttgarter Zeitung)

Erstens nimmt sich Anke tatsächlich Zeit, schlendert geradezu in die Sendung, sagt auch mal gar nichts, lässt Minuten für Momente verstreichen, die im Schnittraum unter normalen Umständen als erstes getilgt würden. Und zweitens ist auch sonst so ziemlich alles anders als im normalen Marktanteilsfernsehen. Sehr anders sogar.

Marcus Bäcker (Berliner Zeitung)

Das alles ist lustig, ernst, banal, tief schürfend, quatschig, intelligent, blöd, gaga und oft gleichzeitig genial.

Ariane Holzhausen (Stuttgarter Zeitung)


Sophie Hunger bei »Anke hat Zeit« (27. Juli 2013)


Róisín Murphy »The Tims Is Now« (4. Juli 2015)